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ORDIX News Archiv

Das IT-Magazin der ORDIX AG mit Fachbeiträgen zu Datenbanken, Unix und Java/XML.

Sind 15 Jahre im Zeitalter der IT jung oder alt?

Im Gespräch mit Wolfgang Kögler, Vorstandsvorsitzender der ORDIX AG, Paderborn.

Wolfgang Kögler

Persönliche Daten

  • Name: Kögler, Wolfgang
  • Alter: 49
  • Familienstand: verheiratet
  • Größtes Hobby: ORDIX und Golf
  • Lieblingsgericht: Speisekarte im Paderborner Restaurant Balthasar
  • Lieblingssendung (TV): Harald Schmidt

Nicht jeder macht sich selbstständig. Was hat Sie bewegt, ein Unternehmen zu gründen?

Die Vorstellung, mich selbstständig zu machen, hatte ich bereits Mitte der achtziger Jahre. Maßgeblich dafür waren damals sicherlich meine Ungeduld mit manchem Vorgesetzten, ein gewisser jugendlicher Drang, aber auch die Gewissheit, mit einer überdurchschnittlichen Leistung in einem für die Bundesrepublik unüblichen Terrain - der IT-Dienstleistung - Erfolg zu haben.

Bereits 1989 führte ich eine Reihe von interessanten und, wie sich später herausstellte, auch wichtigen Gesprächen und ließ alte Kontakte aus meiner Siemens- und Softwarezeit aufleben. Die Feinplanung war schon sehr durchdacht und konkret. Auch wenn es im Nachhinein etwas anders losging als geplant. Schließlich kamen der Niedergang von Nixdorf und der DDR quasi zum gleichen Zeitpunkt doch etwas unerwartet.

Und warum als Franke im westfälischen Paderborn?

Damals lebte ich in Paderborn. Paderborn ist also eher zufällig Sitz des Unternehmens. Schließlich arbeiten wir bundes- oder sogar europaweit. Inzwischen weiß ich aber die Vorteile von Paderborn durchaus zu schätzen und für mich zu nutzen. Dennoch bin ich mindestens genauso gerne in einer unserer Geschäftsstellen in Wiesbaden, Köln, Münster oder Neu-Ulm. Sprich: der Franke hält es in Paderborn gut aus - unter anderem, weil er nicht immer in Paderborn ist. ☺

Karriere, beruflicher Werdegang

  • 1975 Abitur
  • 1975/76 Zivildienst
  • 1982 Diplom Mathematiker
  • 1982 Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Rechenzentrum der Universität Erlangen und am Lehrstuhl für angewandte Mathematik
  • 1983 Assistent am Lehrstuhl für numerische Mathematik der Universität Düsseldorf
  • 1983 Start bei der Siemens AG im Zentralbereich Forschung und Entwicklung; Entwicklung und Projektberatung im Umfeld von Konfigurationsmanagement Systemen
  • 1985 Wechsel zum damals größten deutschen Software Haus der SCS. Tätig als Gruppenleiter für das Rechenzentrum und den Kundensupport
  • 1987 Wechsel nach Paderborn zur Nixdorf Computer AG ins technische Marketing für Unix Server als Gruppenleiter für Datenbanksupport, Toolsupport und Benchmark
  • später Abteilungsleiter (1989 „Gründung“ des einzigen Profitcenters im Marketing der NCAG)
  • 1990 Gründung der ORDIX Software GmbH
  • Derzeitige Position: Vorstandsvorsitzender ORDIX AG

Wie beurteilen Sie heute Ihre Entscheidung?

Sie war richtig für mich als Person, aber vor allem für unsere Kunden. Denn ich kann heute sagen, jeder hat bisher von unserer Leistung profitiert. Und wenn ich an unsere Mitarbeiter denke, glaube ich auch, dass sich sehr viele, vielleicht sogar alle sehr wohl fühlen, obwohl ich hohen Einsatz von Ihnen verlange.

Sie sprechen davon, dass Ihre Planung bereits im Vorfeld sehr konkret war. Erfüllt Ihr Unternehmen auch heute noch die Anforderungen, die Sie damals gestellt haben?

Darüber habe ich mir bisher keine Gedanken gemacht. Die Anforderungen stellen täglich unsere Kunden aufs Neue. Und wir müssen sie erfüllen. Wenn nicht, so hat das fatale Auswirkungen. Ich bin mir aber sicher, wir sind bis heute diesen Anforderungen stets gerecht geworden und werden sie auch in Zukunft erfüllen. Hätten wir das nicht, gäbe es ORDIX heute schon nicht mehr.

Ich habe von Anfang an darauf geachtet, dass unsere internen Prozesse so schnell und effizient wie möglich sind. Für deutsche Verhältnisse kommen wir trotz vieler Vorgaben und Vorschriften mit einer extrem schlanken Verwaltung aus. Als Datenbankspezialist sorge ich natürlich dafür, dass wir auch firmenintern mit unseren Daten optimal umgehen. Warum sollten wir es selbst anders handhaben, als wir es bei unseren Kunden umsetzen.

Viele IT Unternehmen sind in der Zeit von 1998 bis 2001 immens gewachsen. Weshalb hat Ihr Unternehmen in den Boom-Jahren nicht so große Sprünge gemacht?

Ganz einfach: Ich wollte nicht, dass ORDIX explosionsartig wächst. Ein zu schnelles Wachstum führt fast immer dazu, dass irgendwas oder auch irgendwer nicht mitkommt. Das gilt für interne genauso wie für externe Prozesse. Und wenn die nicht funktionieren, stört das die Homogenität im Unternehmen. Das ist der Anfang vom Ende.

Ein anderer Punkt ist, wenn ich Mitarbeiter einstelle, trage ich eine soziale Verantwortung. Bei zu schnellem Wachstum besteht die Gefahr, dass Sie sich plötzlich auch Gedanken über den Abbau von Mitarbeitern machen müssen. ORDIX hatte trotz der schweren Zeiten in der IT in seinem Kerngeschäft immer ein Wachstum zu verzeichnen. Auf dieser Basis haben wir uns folgerichtig weiterentwickelt.

Und wenn Sie die anderen ansprechen, die damals so rasant gewachsen sind. Wie groß sind diese Unternehmen denn heute noch, sofern sie überhaupt noch existieren?

Sie sagen, Ihr Unternehmen sei erfolgreich. Was macht den Erfolg Ihres Unternehmens aus? Was sind die Stärken von ORDIX?

Das sind Fragen, die Sie eigentlich unseren Kunden stellen müssten. Aber ich antworte so gut ich kann. Es gibt viele Stärken. Ein hoher Grad an Zuverlässigkeit und Konstanz, gepaart mit einem exzellenten Know-how, bilden die Basis.

Hervorragend ist zudem unser Know-how Netz­werk. Viele unserer Mitbewerber arbeiten beim Kunden mit „Einzelkämpfern“. Hat hingegen einer unserer Mitarbeiter ein Problem, bekommt er sofort Ratschläge und Hilfe von einem halben Dutzend absoluter Spezialisten. Und das ohne Mehrkosten für den Kunden!

Unsere Philosophie ist es, auf Wissen und Kön­nen zu bauen, statt auf Hierarchien: Das fachliche Vorwärtskommen wird wesentlich stärker gefördert und lieber gesehen als ein Aufsteigen in Hierarchien. Natürlich verlangen wir auch ein fachliches Fortkommen von denen, die bereits aufgestiegen sind. In letzter Konsequenz heißt das natürlich, dass nicht nur Be­reichsleiter sondern auch die Vorstandsmitglieder aktiv Projekte gestalten, leiten und durchführen.

Genauso wichtig ist es für ORDIX, dass wir Vor­stände uns um alles kümmern, was das Unternehmen betrifft - und ich meine damit wirklich alles. Diese Einstellung kommt der Qualität sämtlicher Prozesse und Arbeitsergebnisse zu Gute.

Wie kommt das bei Ihren Kunden an?

Sehr gut. Wir arbeiten heute immer noch eng mit unseren ersten Kunden von 1990 zusammen und nicht, weil wir uns dort unentbehrlich gemacht haben, sondern weil wir gute Arbeit geleistet haben. Wir geben unser Wissen und unser Können weiter, das schafft Vertrauen. Und Vertrauen ist die Basis für den gemeinsamen Erfolg.

Diese Erfahrung mache ich zur Zeit auch wieder bei drei, vier Kunden, wo wir zur Zeit parallel aktiv sind.

Lassen Sie uns noch mal auf diese aktive Projektarbeit der Vorstände zu sprechen kommen. Es stellt sich natürlich die Frage, welche Erfahrungen Sie in der Wahrnehmung der Doppelrolle „Mitarbeit in Projekten“ und „Leitung des Unternehmens“ gemacht haben?

Dies bringt natürlich eine höhere Arbeitsbelastung mit sich, zeigt ansonsten aber nur positive Effekte.

Wir stellen mit unserem Erfahrungsschatz, auch der Erfahrung aus unserer Vorstandstätigkeit, einen großen Nutzen für unsere Kunden dar. Neben unseren langjährigen Projekttätigkeiten bringen wir unsere Erfahrungen aus der Geschäftsführung in Form von Managementberatung und unternehmerischem Denken beim Kunden ein. Umgekehrt können wir aber auch die Erfahrungen aus den Projekten bei uns im Unternehmen nutzen.

Das gilt insbesondere für das Thema Personalwesen. Ich glaube, dass wir hier Vorbildcharakter haben: sowohl im Vergleich zu ähnlich großen Firmen als auch zu Konzernen und Großunternehmen.

Stichwort Personalwesen: Worauf kommt es Ihnen bei der Einstellung Ihrer Mitarbeiter besonders an?

Ein solides Wissen in mindestens einer der von uns vertretenen Technologien muss vorhanden sein. Dieses können wir durch unsere regelmäßigen Weiterbildungsmaßnahmen dann verstärken und ausbauen.

Als kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen stehen nahezu alle unsere Mitarbeiter immer wieder in direktem Kundenkontakt. Da benötigt der Mitarbeiter neben dem technischen Sachverstand natürlich auch eine persönliche Ausstrahlung und soziale Kompetenz.

Bewerber, die nicht gleichzeitig solides Know-how und soziale Kompetenz mitbringen, haben bei uns in der Regel keine Chance.

Aber natürlich stellen wir auch Newcomer ein, wenn wir bei ihnen dieses Potenzial erkennen. Schließlich bilden wir seit 10 Jahren DV Kaufleute beziehungsweise Fachinformatiker aus, die sich inzwischen alle zu guten und sehr guten Mitarbeitern entwickelt haben.

Was ist derzeit das vorherrschende Thema im IT-Dienstleistungsmarkt?

Es sind leider keine technologischen Themen. Vorherrschend ist die Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen Themen wie Off-Shore Entwicklung oder Outsourcing von Leistungen in Billig-Lohn Länder. Seit 2001 herrscht ein immenser Preisdruck. Wenn ich betrachte, dass wir heute eine um ca. 35 - 40 Prozent bessere Auslastung als vor ein bis zwei Jahren haben, aber nur ca. 5 Prozent mehr Umsatz machen, dann wird das mehr als deutlich.

Das hat Auswirkungen, die weit über den IT-Dienstleistungsmarkt hinausgehen. Ich habe schließlich im Nebenfach Volkswirtschaftslehre studiert und wenn ich mir so die Ökonomie-Strategen in den Unternehmen ansehe, die am liebsten ständig an der Kostenschraube drehen, dann muss denen auch klar werden, dass fast an jedem Prozess - egal wie viel B2B es sein mag - am Ende irgendwo der Endverbraucher steht.

Wenn der Endverbraucher aber nicht mehr konsumieren kann, wird der Binnenmarkt noch stärker zurückgehen. Irgendwann kann die deutsche Wirtschaft das dann nicht mehr durch Export wettmachen. Von den zunehmenden Renten-, Pensions- oder Krankenkassenproblemen ganz zu schweigen.

Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf ORDIX?

Wie schon geschildert, spiegelt das Umsatzwachstum nicht das tatsächliche Wachstum wieder. Natürlich kommt auch immer wieder bei uns das Thema auf, bestimmte Dinge in Russland oder anderen, preiswerteren Staaten realisieren zu lassen. Aber bisher habe ich mich immer noch mit meinen Vorstellungen durchsetzen können, als Unternehmen in der Bundesrepublik mit hier ansässigen Mitarbeitern zu arbeiten.

Wir sind auch noch nicht in die Schlagzeilen geraten, weil wir von unseren Mitarbeitern Mehrarbeit ohne Lohnausgleich verlangt haben. Wir haben aber leider auch seit über zwei Jahren keine Gehaltserhöhungen ausgesprochen.

Vor drei Jahren habe ich meinem Aufsichtsrat vorgeschlagen auf 10 Prozent meines Gehaltes zu verzichten. Natürlich hat der dieses Angebot auch angenommen, genauso wie eine eigentlich vereinbarte Gehaltserhöhung meines Kollegen nicht durchzuführen. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass wir dieses Geld nicht investieren können, sei es in Konsum, der der Gesamtwirtschaft zu Gute kommt, oder wie vielfach in der Vergangenheit geschehen, wieder ins Unternehmen stecken.

Als Gründer des Unternehmens haben Sie eine ganz besondere Beziehung zur ORDIX. Welche Rolle spielt ORDIX in Ihrem Leben?

Zum Leidwesen meiner Frau nimmt das Unternehmen die Hauptrolle ein. Ich bin mir sicher, dass ich in den vergangenen 15 Jahren mehr Zeit in ORDIX investiert habe, als viele Durchschnittsbürger in ihrem gesamten Arbeitsleben für ihre Arbeitgeber arbeiten. Selbst wenn ich mich irgendwann zurückziehen werde, werde ich immer noch viel für das Unternehmen leisten.

Welche der Entwicklungen, die ORDIX in den letzten 15 Jahren durchgemacht hat, macht Ihnen am meisten Freude?

Genannt habe ich ja schon die Entwicklung als Ausbildungsbetrieb und die Entwicklung der ehemaligen Auszubildenden in unserem Unternehmen. Besonders spannend war die Wandlung von der GmbH zur Aktiengesellschaft. Selbst wenn ich dabei für die Ausbildung von Rechtsanwälten, Notaren und sicherlich auch von Behörden indirekt viel Geld bezahlen musste.

Sehr interessant ist auch die Entwicklung unserer Kundenzeitschrift ORDIX News. Außerdem freut es mich, zu sehen, dass unsere Entwicklung als Unternehmen mit einem erfolgreichen Trainingsbereich trotz der schwierigen Marktlage positiv zu beurteilen ist.

Gibt es denn auch Entwicklungen oder Um­stände, mit denen Sie nicht zufrieden sind?

Im Unternehmen selbst gibt es eher wenige Entwicklungen, die mich nicht zufrieden stimmen - vielleicht die Tatsache, dass wir trotz der guten Leistungen unserer Mitarbeiter die Gehälter einfrieren mussten.

Unzufrieden bin ich über die gesamtwirtschaftliche Situation. Wobei die Probleme zum Teil auch nur hausgemacht sind. Vor allem stört es mich, wie die ganz großen Unternehmen und auch die Politik damit umgehen. Auf der einen Seite wirft man Geld in großem Bogen und unkontrolliert zum Fenster hinaus - Stichwort Wiedervereinigung oder Globalisierung - und auf der anderen Seite macht man durch kleinkariertes Denken und teilweise unsinnige Sparmaßnahmen alles noch schlimmer.

Nicht dass man mich falsch versteht: Der „einfache Bürger“ im Osten Deutschlands oder der „normale“ Mitarbeiter im Konzern trägt keine, wenn überhaupt nur geringfügige Schuld. Ich rede von denen, die Entscheidungen treffen.

Aber ich gehöre nicht zu denen, die jammern. Die Situation ist so und ich versuche, aus ihr das Beste zu machen, auch wenn die Umstände es einem nicht leicht machen.

Kommen wir zu positiven Meldungen zurück. Was wünschen Sie sich für die Zukunft von ORDIX?

In der Hauptsache wünsche ich mir für unsere Kunden und Mitarbeiter, dass wir alle gemeinsam Erfolg haben. Denn mit diesem Erfolg ist automatisch ein gutes Ein- und Auskommen gesichert. Ich werde meinen Anteil dazu beitragen, dass das, was wir uns vorgenommen haben - nämlich kontinuierlich und stabil weiter zu wachsen - erreicht wird.

Natürlich wünsche ich mir auch Gewinne für das Unternehmen. Schließlich bin ich ja nicht alleiniger Aktionär, sondern viele Mitarbeiter haben auch ORDIX Aktien, die sich in den Jahren seit 1996 als wesentlich stabiler erwiesen haben als viele andere Aktien.

Ja und zuletzt vielleicht, dass spätestens zum 25. Geburtstag ein anderer an dieser Stelle Ihre Fragen beantwortet.